Nix wie weg


Auch die Eisenbahnen wirken
Heilsam aufs Familienleben,
Sintemal sie uns erleichtern
Die Entfernung von der Sippschaft.

Heinrich Heine
1797 – 1856

Photo © e.a.brokans

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Seid umschlungen.

Du sollst mich liebend umschließen,
Geliebtes, schönes Weib!
Umschling mich mit Armen und Füßen,
Und mit dem geschmeidigen Leib.

Gewaltig hat umfangen,
Umwunden, umschlungen schon
Die allerschönste der Schlangen
Den glücklichsten Laocoon.

Heinrich Heine

Photo © e.a.brokans

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Was sich der Harry bei seinem Gedicht wohl gedacht haben mag? Viel wurde hinein interpretiert, aber vermutlich wollte er nur die lustvolle Berührung unter erotischen Vorzeichen thematisieren. Eine Prise Lust am provozieren des Bildungsbürgertums würzte das Ganze zusätzlich. Beides ist ihm bestens gelungen. Immerhin empfanden seine Zeitgenossen das Gedicht als „anstößig“. Denn es war ja hinlänglich bekannt, daß der Flirt der Familie Laokoon mit der Schlange tödlich endete, zumindest für die Laokoons. Ob die damit glücklich waren? Nur die Schlange, das alte Sex-Symbol, überlebte diesen Schlamassel.

Die abgebildete Gruppe ist übrigens nicht das Original, sondern ein Gipsabdruck. Gefunden und photographiert (noch auf Film) in den 1980igern im Kapitolinischen Museum zu Rom. Zum Umbau des Museums (bis 2005) dürfte die Skupltur vermutlich entfernt worden sein. Zumindest taucht sie im Netz nicht mehr auf.

Das Original, wahrscheinlich um 200 v. Chr. entstanden, wurde 1506 in einem Weinberg auf einem der sieben Hügel Roms gefunden. In der Renaissance um einige abgebrochen Arme falsch ergänzt, erhielt es erst im letzten Jahrhundert sein vermutlich originales Aussehen zurück. Aber da war die gezeigte Gruppe schon längst abgeformt.

Wo damals und auch heute das Original zu finden ist, was es sonst noch zu sehen gibt und wo das Zeug herkommt, beschreibt uns in aller Kürze Herr Waiblinger:

Mumien im Vatican

Alles find‘ ich in dir, Laokoon, Zeus und Apollo,
Aus dem gestürzten Olymp flohen die Götter zu dir.
Welt der Griechen und Römer, du zeigst auch ägyptische Götzen,
Und Brittania versorgt reichlich mit Mumien dich.

Wilhelm Waiblinger 1804 – 1830

Waiblinger, ein frühreifer, romantischer Dichterrebell – heute würde man ihn als Aussteiger bezeichnen – starb in seiner Wahlheimat Rom mit 26 Jahren an Armut, Klima und Lebenswandel.

Herr Heine scheidet weinend…

…und die Pelikane schweigen betreten.

Lebewohl

Hatte wie ein Pelikan
Dich mit eignem Blut getränket,
Und du hast mir jetzt zum Dank
Gall‘ und Wermut eingeschenket.

Böse war es nicht gemeint,
Und so heiter blieb die Stirne;
Leider mit Vergeßlichkeit
Angefüllt ist dein Gehirne.

Nun leb wohl – du merkst es kaum,
Daß ich weinend von dir scheide.
Gott erhalte, Törin, dir
Flattersinn und Lebensfreude!

Heinrich Heine

Photo © e.a.brokans

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