Im Flughafen Oberwiesenfeld

Am Flugplatz vor der Restauration
Sitzen wir morgens im Garten,
Trinken Whisky und warten. –
Ein Russe singt aus dem Grammophon.

Flugzeuge landen von Zeit zu Zeit
Und jedes aus anderer Gegend.
Ich höre, daß es in Bozen schneit
Und daß es in Hamburg regnet.

Ich hab eine arktische Landschaft gemalt.
Ein Herr hat das Bild gekauft und bezahlt,
Und ich weiß, daß er darauf wartet.
Wir setzen das Bild – als wär es ein Hauch –
Ganz zart in eines Flugzeuges Bauch.
Und nun: Dieses Flugzeug startet.

Flieg wohl, du Junkers, du stolzer,
Mit meinem eiskalten Bild im Leib!
Grüß Zürich, Hügin und dessen Weib
Und euren Herrn Mittelholzer!

Joachim Ringelnatz (1929) –

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Das Oberwiesenfeld in München war ein Militärgelände, welches ab 1909 auch als Flugplatz für Militär- und Zivilflieger genutzt wurde. 1929 entstand dort der erste vollwertige Zivilflugplatz von München. Leider lag er zwar äußerst verkehrsgünstig, nämlich fast mitten in der Stadt – das heutige Olympiagelände steht zum großen Teil auf dem ehemaligen Flugplatzgelände – aber aufgrund des wachsenden Luftverkehrs musste er schon 1939 durch München-Riem abgelöst werden. Die letzte Privatmaschine verließ den Platz allerdings erst 1968.

Karl Otto Hügin (1887 – 1963) ein Schweizer Maler und Grafiker, wurde regional durch Wandbilder und Fresken bekannt.  Anfang der 1920iger Jahre befreundete er sich bei 2 Aufenthalten in Berlin mit Joachim Ringelnatz.

Der ebenfalls erwähnte Walter Mittelholzer (1894 – 1937) war ein sehr bekannter Schweizer Luftfahrtpionier, Photograph und Reiseschriftsteller Er veröffentlichte unzählige Luftaufnahmen, u.a. überflog und photographierte dabei als erster den Kilimandscharo. Tragischerweise stürzte er bei einer Klettertour in der Steiermark ab – ohne Flugzeug.

PS. Mehr zu dem erwähnten Bild und zu Ringelnatz als Maler findet ihr weiter unten im Kommentar (und  in dem darin enthaltenen Link) von der Perlengazelle. Herzlichen Dank dafür!

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