„Aus des Vergessens Nacht erstehn die Mauern“

Es entstehen zu viele Mauern: in den Köpfen, in den Herzen, an den Grenzen und auch innerhalb dieser. Das zarte Pflänzchen Hoffnung tut sich immer schwerer. Ob es nochmal grünt?

Der Titelsatz stammt übrigens von Paul Verlaine (aus Varia).

Photo © e.a.brokans

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Aufruhr eines einsamen Baumes

Hinter der Mauer im Hofe
Hebt der einsame Baum
Zu den Lüften flehende Arme
Und stöhnt und wimmert:
»Nehmt mich mit!
Reißt mich aus!
Fort aus steinerner Wüste,
Aus dumpfigen Kerkermauern
Hinaus ins himmlische Freie
Zu sonnefrohen Geschwistern!

Bruno Wille 

Photo © e.a.brokans

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Bruno Wille, geboren 1860 in Magdeburg, war Philosoph, Journalist und Schriftsteller, er gehörte einer freireligiösen Gemeinde an. Zeitweise in deren Vorstand und mehrmals verhaftet, wurde er 1897 in Graz wegen „Verbreitung von Unglaubens“ interniert. Er gründete u.a. die Freie Volksbühne, später dann die Neue Freie Volksbühne mit dem Ziel dem „einfachen Arbeiter aus dem Volke“ das Schauspiel nahezubringen. 1928 starb er auf Schloss Senftenau bei Lindau / Bodensee.

Das obige Zitat ist die letzte Strophe des Gedichtes „Aufruhr“ und jenes ist vollständig u.a. bei Zeno.org zu finden.