Herbstlied

…und damit ist das Thema „Herbst“ durch – zumindest für mich und für heuer.

Chanson d’automne

Les sanglots longs
Des violons
De l’automne
Blessent mon coeur
D’une langueur
Monotone.

Tout suffocant
Et blême, quand
Sonne l’heure,
Je me souviens
Des jours anciens
Et je pleure

Et je m’en vais
Au vent mauvais
Qui m’emporte
Deçà, delà,
Pareil à la
Feuille morte

Paul Verlaine

Zugegeben, ich habe keine Ahnung was mir Herr Verlaine damit sagen will. Meine rudimentären Französischkenntnisse reichen nur für Küche und Bett – beim letzteren meine ich natürlich das Prozedere des Übernachtens in einem fremden Land.

Somit musste ich Herrn Stefan George – den ich sonst gerne meide – bemühen, mir das Lied verständlich zu machen.

Hier seine Version (ja, ich weiß, es gibt auch noch andere – aber was soll’s):

Herbstlied

Seufzer gleiten
Die saiten
Des herbsts entlang
Treffen mein herz
Mit einem schmerz
Dumpf und bang.

Beim glockenschlag
Denk ich zag
und voll peinen
An die zeit
Die nun schon weit
Und muss weinen.

Im bösen winde
Geh ich und finde
Keine statt…
Treibe fort
Bald da bald dort –
Ein welkes blatt.

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Nix, aber auch rein gar nix…

….haben die Gedichte Paul Verlaines mit Kürbisblüten zu schaffen, oder?

Aber der Reihe nach, erstmal das Gedicht:

Heut nacht im Traume sah ich dich,
Du dehntest dich mit leisem Lachen
Und schwätztest gurrend tausend Sachen.

Ich kostete gleich Früchten dich,
Wie ich mit durst’ger Lippe küsste
Berg, Tal und Hügel, Wang‘ und Brüste.

Ich war von einer Biegsamkeit,
Die wirklich man bewundern musste,
Herrgott, welche Kraft, welche Puste!

Und du, Geliebte, zur selben Zeit,
Welche Puste und Kraft, welche Schnelle
Und Biegsamkeit der Gazelle.

Am Morgen gab’s in deinem Arm,
Nur viel vollkomm’ner, im Erwachen
Genau dieselben süssen Sachen.

Paul Verlaine

dann das Photo:

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Zu diesem Poem haben Sie sicherlich einen gediegenen Schwarzweissakt (so mit Körperlandschaften – na, Sie wissen schon…) erwartet. Aber um meine Leidensgenossin Frau Georgia O’Keeffe zu bemühen:

I hate Flowers-
I paint them because
they’re cheaper than Models
and they don’t move

Na gut.

Recht hat sie irgendwie, allerdings mag ich Blumen und Pflanzen, vor allem die selbstgezogenen. Und meine Photomodelle gedeihen meist in ihrer natürlichen Umgebung, also ist das mit dem “ nicht bewegen“ auch so eine Sache. Und malen kann ich sowieso nicht.

Im  Endeffekt läuft es doch darauf hinaus: ich möchte das Gedicht unter die Leute bringen und es fehlt mir ein geeignetes Photo, oder sieht irgendjemand doch irgendeinen Zusammenhang?

Man kann ja schließlich nicht immer Kaffeetassen posten.

Oder?

Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen. Mein Duden von 1962 (überhaupt die Grundlage meiner „Bildung“) schreibt zu Verlaine:

Verlaine, Paul
*1844, +1896, frz. Dichter;
anfängl. von den Parnassians beeinfl., wurde V. zum Hauptvertreter des Symbolismus u. zum Begr. des mod. freien Rhythmus in der franz. Dichtung: Poesie soll flüchtige Nuancen ausdrücken und musikalische Wirkung anstreben; in V. Gedichten Mischung von leidenschaft. Sinnlichkeit u. zarter Empfindung; großer Einfluß auf die Entwicklung der modernen Dichtung; zahlreiche Gedichtsammlungen, u.a „Poèmes saturniens“, „Romances sans paroles“, „Sagesse“

Und wieder was gelernt (ich zumindest).