Nicht natürlich? Natürlich nicht!

Gelegentlich werde ich gefragt, ob ich Filter verwende oder ob meine Photos bearbeitet sind. Die ehrliche Antwort, zu der ich auch stehe: Aber natürlich! Es gibt ja eigentlich keine unbearbeitetes Photos, weder bei mir noch bei anderen. Allein schon der Gedanke daran, von einem Gegenstand oder einem Ereignis ein Photo zu machen, ist eine Bearbeitung. Die Auswahl von Standort, Brennweite, Belichtungs-, Tageszeit und Wetter etc. sind weitere Parameter welche auf das endgültige Photo einwirken. Von der Kammertechnik und den Programmen, welche meist ohne unser Zutun oder sogar ohne unser Wissen arbeiten, mal ganz abgesehen. Das war auch bei der analogen Photographie nicht anders.

Das hat schon Truman Capote erkannt (andere natürlich auch):

…selbst der Kamera gelingt kein ganz getreues Abbild der Realität. Die Kunst ist eben kein destilliertes Wasser. Persönliche Eindrücke, Vorurteile, die Auswahl, die man unwillkürlich trifft und auch treffen muss, das alles verändert die genannte reine Wahrheit.

(Aus dem Vorwort zu „Truman Capote, Die Hunde bellen – Reportagen und Porträts“)

Ich bin kein Dokumentarist. Ich will die Wirklichkeit nicht getreu abbilden. Das Photo – wie es mir die Kamera liefert – ist nur Rohstoff. Erst die Bearbeitung nach meinem Gusto läßt mein Photo entstehen. Wobei ich von technischer Perfektion und dergleichen nicht viel halte. Die einzige Vorgabe: Gefallen muss es mir und nebenbei sollte es auch noch Spass machen.  Wenn es aber dann der Einen oder dem Andern auch gefällt, macht es natürlich doppelten Spaß. Ich würde ja lieber zeichnen oder malen, aber um dieses zu lernen, fehlt mir die Zeit und die Geduld, vom Talent mal ganz zu schweigen. Also bleibe ich bei der Knipserei.

Sempervivum / Hauswurz Photo © e.a.brokans

Sempervivum / Hauswutz äh -wurz    – –   Photo © e.a.brokans

Advertisements

Rilke!

„Nimm den Rilke,  die Leute mögen Rilke!“

Das war der Rat von Manni dem Falter (die Eine oder der Andere werden sich vielleicht noch an ihn erinnern) als er im Keller über meine alten Photos stolperte. Mit einem  Gedicht von Rilke garniert, könnte ich sogar noch meine Uraltphotos unter die Leute (damit seid wohl Ihr gemeint) bringen, meinte er.  Und was Manni sagt, mach ich meistens. Darum als hier der ach so beliebte Herr Rilke mit einem seiner wunderbaren Gedichte:

*räusper*

Ach so, ach ja, lesen müßt ihr schon selber.

Der Schwan

Diese Mühsal, durch noch Ungetanes
schwer und wie gebunden hinzugehn,
gleicht dem ungeschaffnen Gang des Schwanes.

Und das Sterben, dieses Nichtmehrfassen
jenes Grunds, auf dem wir täglich stehn,
seinem ängstlichen Sich-Niederlassen –:

in die Wasser, die ihn sanft empfangen
und die sich, wie glücklich und vergangen,
unter ihm zurückziehn, Flut um Flut;
während er unendlich still und sicher
immer mündiger und königlicher
und gelassener zu ziehn geruht.

Rainer Maria Rilke

Photo © e.a.brokans Photo © e.a.brokans

Einige Anmerkungen zum Photo: Es ist eines der wenigen Photos, welche mir von meiner Anfangszeit als Hobbyknipser geblieben sind. Es entstand bei einem Schulausflug nach Regensburg. Photographiert mit meiner eigenen  Kamera (irgendeine Sucherkamera von Quelle) auf Schwarzweißfilm und dann im Schullabor entwickelt und vergrößert. Es handelt sich sich hier sozusagen um einen „Rare Vintage Print“ mit  Seltenheitswert (Gebote werden gern entgegengenommen). Das Negativ ist leider verschollen.

Später beschafte ich mir sogar eine eigene Dunkekammer. Leider blieben die Ergebnisse quantitativ und qualitativ weit hinter den Erwartungen zurück, so dass das Interesse an der Photographie erlahmte. Eine Reise in den Südwesten der Vereinigten Staaten brach meiner Photoleidenschaft dann endgültig das Genick. Mit einer Ausbeute von ca. 1500 langweiligen Photos von noch langweiligeren roten Felsformationen kehrte ich zurück. Seitdem wurden nur noch gelegentliche Erinnerungsphotos geknipst. Erst als ich mit diesen Blog begann, erwachte mein Interesse an der Photographie erneut. Mal schaun was daraus wird.

 

Aussichten & Einsichten

Aussichten (auf das kommende Frühjahr):

Drei kleine Strassen
mit Häuserchen wie aus einer Spielzeugschachtel
münden auf den stillen Marktplatz.

Der alte Brunnen vor dem Kirchlein rauscht,
die Linden duften.

Das ist das ganze Städtchen.

Aber draussen,
wo aus einem blauen, tiefen Himmel Lerchen singen,
blinkt der See und wogen Kornfelder.

Mir ist Alles wie ein Traum.

Soll ich bleiben? Soll ich weiterziehn?

Der Brunnen rauscht . . . die Linden duften.

Arno Holz

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Einsichten.

Der einen oder dem anderen ist es bestimmt schon aufgefallen. Auf meinen Photos fehlen die Menschen. Ein Alltagsklunkerbeitrag von Stephanie Jaeckel, die sich auch mit dieser Thematik beschäftigte, ließ mich darüber nachdenken.

Vorab eine kleine Erläuterung: Mir geht hier nicht um das Urheberrecht, ich rede hier von Porträtaufnahmen, bei denen die abgebildete Person deutlich erkennbar ist. Sobald dies der Fall ist und an eine Veröffentlichung gedacht wird, muss eine Einverständniserklärung – möglichst in schriftlicher Form – vorliegen. Ansonsten kann es Ärger mit dem „Recht am eigenen Bild“ geben. Natürlich gibt es da auch, wie bei jedem Gesetz, Ausnahmen und Fallstricke. Auf diese möchte ich aber nicht eingehen, ich bin kein Fachmann. Das Netz ist diesbezüglich voll von fundierten Hinweisen. In anderen Ländern ist man übrigens bei weitem nicht so rigoros beim „Recht am eigenen Bild“.

Mir geht es allerdings nicht so sehr um die rechtliche Situation, sondern mehr die Ethik. Ich selbst bin ziemlich kamerascheu, darum verfahren ich nach dem alten Spruch:

„Was man mir nicht antun soll, will ich auch nicht anderen Menschen zufügen“.

(Konfuzius oder so…)

Darum verzichte ich darauf fremde Menschen ohne ihre ausdrückliche Erlaubnis abzulichten und die Photos in irgendeiner Form zu veröffentlichen. Ich möchte ja auch nicht, dass Photos mit meinem Konterfei in irgendwelchen sozialen Netzwerken kursieren (reine Hypothese – an mir gibt es nix interessantes).

Ich mag auch diese sogenannte „street photographie“ nicht besonders. Manchmal schrammt sie doch hart am Voyeurismus entlang. Die oft hochgelobten Aufnahmen der sagenhaften, manischen Bildersammlerin Vivian Maier sprechen hier Bände; ebenso die technisch und photoästhetisch sicherlich hervorragenden Aufnahmen von betrunkenen und kotzenden Feiernden aus Großbritannien, welche kurz nach Silvester im Netz kursierten.

Andererseits sehe ich natürlich schon die Notwendigkeit gewisser Photos, um die Welt aufzurütteln; soweit das bei der vorherrschenden Abgestumpftheit und Sensationsgier überhaupt noch möglich ist. Es ist halt – wie so oft – ein Spagat. Und entscheiden muss jeder für sich.