Herr, es wurde mal wieder Zeit für Rilke!

Eingang

Wer du auch seist: am Abend tritt hinaus
aus deiner Stube, drin du alles weißt;
als letztes vor der Ferne liegt dein Haus:
wer du auch seist.
Mit deinen Augen, welche müde kaum
von der verbrauchten Schwelle sich befrein,
hebst du ganz langsam einen schwarzen Baum
und stellst ihn vor den Himmel: schlank, allein.
Und hast die Welt gemacht. Und sie ist groß
und wie ein Wort, das noch im Schweigen reift.
Und wie dein Wille ihren Sinn begreift,
lassen sie deine Augen zärtlich los…

Rainer Maria Rilke
1875 – 1926

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Photo © e.a.brokans

Rilke!

„Nimm den Rilke,  die Leute mögen Rilke!“

Das war der Rat von Manni dem Falter (die Eine oder der Andere werden sich vielleicht noch an ihn erinnern) als er im Keller über meine alten Photos stolperte. Mit einem  Gedicht von Rilke garniert, könnte ich sogar noch meine Uraltphotos unter die Leute (damit seid wohl Ihr gemeint) bringen, meinte er.  Und was Manni sagt, mach ich meistens. Darum als hier der ach so beliebte Herr Rilke mit einem seiner wunderbaren Gedichte:

*räusper*

Ach so, ach ja, lesen müßt ihr schon selber.

Der Schwan

Diese Mühsal, durch noch Ungetanes
schwer und wie gebunden hinzugehn,
gleicht dem ungeschaffnen Gang des Schwanes.

Und das Sterben, dieses Nichtmehrfassen
jenes Grunds, auf dem wir täglich stehn,
seinem ängstlichen Sich-Niederlassen –:

in die Wasser, die ihn sanft empfangen
und die sich, wie glücklich und vergangen,
unter ihm zurückziehn, Flut um Flut;
während er unendlich still und sicher
immer mündiger und königlicher
und gelassener zu ziehn geruht.

Rainer Maria Rilke

Photo © e.a.brokans Photo © e.a.brokans

Einige Anmerkungen zum Photo: Es ist eines der wenigen Photos, welche mir von meiner Anfangszeit als Hobbyknipser geblieben sind. Es entstand bei einem Schulausflug nach Regensburg. Photographiert mit meiner eigenen  Kamera (irgendeine Sucherkamera von Quelle) auf Schwarzweißfilm und dann im Schullabor entwickelt und vergrößert. Es handelt sich sich hier sozusagen um einen „Rare Vintage Print“ mit  Seltenheitswert (Gebote werden gern entgegengenommen). Das Negativ ist leider verschollen.

Später beschafte ich mir sogar eine eigene Dunkekammer. Leider blieben die Ergebnisse quantitativ und qualitativ weit hinter den Erwartungen zurück, so dass das Interesse an der Photographie erlahmte. Eine Reise in den Südwesten der Vereinigten Staaten brach meiner Photoleidenschaft dann endgültig das Genick. Mit einer Ausbeute von ca. 1500 langweiligen Photos von noch langweiligeren roten Felsformationen kehrte ich zurück. Seitdem wurden nur noch gelegentliche Erinnerungsphotos geknipst. Erst als ich mit diesen Blog begann, erwachte mein Interesse an der Photographie erneut. Mal schaun was daraus wird.