Schöne Grüße

Das Rumpsteak ist zäh und sie fror, zumindest bekam er dies zur Antwort, als er seine Gattin auf die Walhalla am anderen Donauufer aufmerksam machen wollte. Sogar der Zigarrenpaffer guckt schon neugierig, ob der groben und lautstarken Abfuhr. Diese Reise war seine Idee, stand aber von Anbeginn unter keinem guten Stern.

Wenigsten die Tochter scheint es zu genießen, auch wenn sie die  vorbeihuschenden Landschaft kaum beachtet. Ständig schreibt sie irgendwas an irgendjemanden, wohl meist Ansichtskarten. Die Abbildungen auf den Karten waren ihr offensichtlich Realität genug.

Hoffentlich vergisst sie wenigstens den Gruß an Familie Bachmann, den neuen Nachbarn, nicht. Oder hießen die Bachmair?

Ansichtskarte aus meiner Sammlung

Diese Ansichtskarte wurde um 1900 (leider ist der Poststempel verwischt) in Passau eingeworfen und am nächsten Tag dem Empfänger in München ausgehändigt.
Von dieser beliebten Lithographie gab es viele ähnliche Versionen, geändert wurde nur jeweils der Fensterblick auf die jeweiligen Sehenswürdigkeiten der Reiseroute. Wobei sich bestimmt die wenigsten Versender den Gang in den Speisewagen leisten konnten. Aber das nur am Rande.

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An (und auf) der Bahn

Das Häuschen an der Bahn,

Steht ein Häuschen an der Bahn,
hoch auf grünem Hügelplan.

Tag und Nacht, in schnellem Flug,
braust vorüber Zug um Zug.

Jedesmal bei dem Gebraus
zittert leis das kleine Haus -:

„Wen verläßt, wen sucht auf
„euer nimmermüder Lauf?“

„Oh nehmt mit, oh bestellt
„Grüße an die weite Welt!“

Rauch, Gestampf, Geroll, Geschrill…
Alles wieder totenstill.

Tag und Nacht dröhnt das Gleis.
Einsam Häuschen zittert leis.

Christian Morgenstern

PAUL CÉZANNE (1839-1906) DER BAHNDURCHSTICH (UM 1870) - gemeinfrei -

Paul Cézanne (1839-1906) – Der Bahndurchstich (um 1870) – gemeinfrei –

Ich wuchs in Bahnnähe auf. Meine Eltern pendelten tagtäglich mit dem Zug in die nächste größere Stadt. Später übernahm die Gummieisenbahn (Bahnbus) diese verantwortungsvolle Aufgabe. Ich war nie als Pendler auf die Eisenbahn angewiesen (sieht man mal von den 3 Jahren ab, in denen vergeblich versucht wurde, mir eine höhere Schulbildung angedeihen zu lassen).

Der kleine Haltepunkt war nur ca. 900 Meter entfernt. Besonders die Achtungspfiffe an den unbeschrankten Bahnübergängen des Anschlussgleises eines, dort in der freien Landschaft angesiedelten  Industriebetriebes, weckten in mir eine Sehnsucht nach der  Ferne. Besonders in schlaflosen Nächten ging die Phantasie mit den Pfiffen gerne auf Reisen

Der Traum von großen Bahnreisen wurde dann zumindest ansatzweise mit den ersten Rom- und Italienreisen verwirklicht. Was war das für ein erhebendes Gefühl, zum ersten Mal mit so einem ellenlangen Nachtzug über den Brenner und durch die halbe Apennin-Halbinsel zu fahren. Das klingen der Läutewerke an den Bahnübergängen, das rappeln und klackern der Schienenstöße (die es damals noch gab) und alle die schönen Geräusche einer Zugfahrt sind mir – sicherlich nostalgisch verklärt -heute noch präsent. Natürlich ließen sich die Fenster öffnen und man konnte sich trotz der Warnung „È pericoloso sporgersi“ weit hinauslehnen und sich den Fahrtwind um die Ohren pfeifen lassen. Jedes Land roch auch anders. Auf die Masten musste man halt selbst aufpassen.

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Die erste Flugreisen brachten nicht einmal ansatzweise solche Hochgefühle in mir hervor. Es war eine Befördern von A nach B in stickigen, engen Kabinen.

…..

Anmerkung: Das Gemälde „Der Bahndurchstich“ von Paul Cézanne hängt heute in der Neuen Pinakothek zu München. Näheres findet ihr hier. Mein Bild davon ist gemeinfrei bei Zeno.org zu finden.