Inkognito

Der Distelfalter will dem Fotografen keine datenschutzrechtlichen Schwierigkeiten machen und versteckt sein Gesicht lieber hinter dem Lavendel.

Metamorphosen (Ausschnitt)

Sonst war meine Seele ein Schmetterling,
Ein leichter, feiner, blütenverliebter Schmetterling,
Der sich im Sonnenscheine von weichen Winden
Gerne tragen ließ, wie ein Blumenblatt;
Und er steckte sein Saugrüsselchen gerne in alle Süßigkeit,
Und er berauschte sich gerne am Tausendblumengeist,
Und im offenen, samenstaubduftigen Schoße üppiger,
Buttergelber Rosen schlief er gerne,
Der sorgenlose, leichtsinnige,
Frei schwebende Schmetterling meiner Seele.

Weißt du noch, meine Seele, wie du zum letztenmale
Schmetterling warst?

Otto Julius Bierbaum

Foto © E.A.Brokans

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Ein neuer Gast

Manni der Falter hat einen neuen Freund. Der Schwalbenschwanz kam auf einen Abstecher vorbei um sich am Lavendel zu stärken. Er ist einer der größten Falter in der Gegend und fällt, neben den Farben natürlich, auch durch seinen hektischen Flug auf.
Machaon, wie er sich nannte, war unterwegs zu einem Date. Er sagte „Hilltoping“ dazu. Dieser Event findest nämlich meist auf Hügelkuppen statt. Die Altvorderen nannten es Gipfelbalz. Naja, in den Zeiten von Tinder etc. muss auch ein Schmetterling sprachlich mit der Zeit gehen. Sonst klappt das nicht mit dem Nachwuchs.

Foto © E.A.Brokans

Text – Bild – Schere

Es wird scheinbar etwas einsamer hier. Manche schalten ihren Blog wegen der DSGVO auf privat oder hören ganz auf. Es sind eure blogs und eure Entscheidungen, aber ich werde euch nicht in euer Privatleben folgen. Privat ist privat. Jeder schreit nach mehr Datenschutz, kommt er dann plötzlich- nach nur 2 jähriger Vorlaufzeit – wird wieder gejammert.

Das Urheberrecht und das Recht am eigenen Bild hat es schon immer gegeben. Es hat sich nichts wesentliches geändert. Na gut, das Recht am eigenen Bild betrifft mich als Fotograf, welcher nicht gerne Menschen fotografiert, eh nur am Rande. Ich finde es sogar gut, dass nicht jede Frau Hinz und jeder Herr Kunz ein Abbild von mir online stellen kann, nur weil es als künstlerisch wertvolles Streetphoto betitelt wird. Ebenso werde ich ernstlich böse, wenn mir eine oder einer ein Bild oder sonst was eigenes aus meinem „Schaffensspektrum“ klaut, ohne mich vorher explizit gefragt zu haben. Aber das hat sich ja auch nicht geändert.

Noch etwas: erspart mir bitte große Diskussionen über dieses Thema. Ich bin ebenso, wie die meisten von euch, kein Jurist. Alles was ich von mir geben könnte, wäre um mit dem großen Matlock zu sprechen: „“Hörensagen, Euer Ehren“ und auch nur angelesen.

Guckt euch lieber das Bild an und entspannt euch.

Foto © E.A.Brokans

Noch so ein Wanderer

Die Distelfalter (Vanessa cardui) sind – wie die Admirale auch – Wanderfalter. Sie kommen aus dem warmen Mittelmeerraum, bevorzugt aus den subtropischen Steppengebieten. Im Frühjahr trägt sie der Wind zu uns oder noch weiter nach Norden. Während des Sommers produzieren sie dann eine oder mehrere Nachfolgegenerationen.
Die Distelfalter würden unseren Winter, mag er noch so mild sein, nicht überstehen. Gezwungenermaßen müssen sie sich im Herbst wieder in den Süden wehen lassen. Die Alpen sind dabei das größte Hindernis, viele schaffen die Überquerung nicht und sterben auf den Gletschern.

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Da kriegst du die Motten…

Die Motte

Wie eine Motte flattert um die Flamme,
So schwebt auf leisen Schwingen meine Stimme
Um das erhellte Fenster deiner Kammer.

Wird sie die Schwingen sich am Licht verbrennen?
Ich wag‘ es drauf! Das Wagen hilft gewinnen.
Ich wag‘ ein Ständchen unter deinem Fenster!

Und wenn du schmählst und rufst wohl gar die Mutter,
So reiß‘ ich alle Saiten von der Zither,
Und beiß‘ ein Stückchen ab von meiner Zunge.

Wilhelm Müller

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Die meisten denken bei dem Wort Motte natürlich sofort an ihren Kleiderschrank oder an schlecht verschlossene Müslibüchsen mit unliebsamen Naschgästen. Aber der kleine Falter mit dem schicken Outfit ist eine Langhornmotte. Diese Schmetterlingsart lebt bevorzugt im Wald, ist nicht nachtaktiv, sondern hocherfreut über Sonnenschein. Wenn die warmen Strahlen dann bis ins Unterholz vordringen, tanzen sie zu hunderten im Licht um die holde Weiblichkeit zu beeindrucken.

Übrigens war der Herr Wilhelm Müller (1794 – 1827), der uns hier mit seinem Gedicht die uralte Tradition des Fensterlns beschreibt, auch der Schöpfer der Zyklen „Die schöne Müllerin“ und „Die Winterreise“, welche dann von Franz Schubert kongenial vertont wurden.

Manni, Frau Dr. Grill, Nabokov und so…

Schöne Grüße von Manni (dem Falter) soll ich ausrichten. Er ist momentan etwas unpäßlich. Er steckt in einem Schaukasten fest. Das mit dem feststecken könnt Ihr wörtlich nehmen, denn jemand hat ihm eine Nadel durch die Brust gejagt und ihn damit festgepinnt. Aber es war eh ist nur noch seine äußere Hülle. Seine Seele ist schon längst weitergewandert. Das hier ist sein neues Outfit:

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Er ist jetzt ein Spanner und muss meist nachts arbeiten. Nein, nicht was Ihr schon wieder denkt. Der Name kommt von der etwas merkwürdigen Fortbewegungsart im Raupenstadium. Die Spannerraupe hat nur vorne und hinten jeweils ein paar Beine. Dadurch muss sie sich dauernd krümmen und strecken (spannen eben) um vom Fleck zu kommen. Ihr kennt das ja vom Job.

Wer mehr über Manni und seine Artgenossen wissen will, sollte unbedingt das kleine Büchlein „Schmetterlinge“ von Andrea Grill (erschienen bei Matthes & Seitz) lesen. Die Autorin, promovierte Biologin und Schriftstellerin, weiß wovon sie schreibt. In ihrer Doktorarbeit ging es um die Evolution endemischer Schmetterlinge in Sardinien. Aber sie doziert hier nicht, sondern schildert in sehr persönlich gefärbten Texten die Faszination der Schmetterlinge. Auch wenn sie selbst nicht unbedingt auf Anhieb dieser Faszination erlegen ist.

Aber  nicht nur Schmetterlinge werden beschrieben, auch die Liebhaber und Erforscher der Falter werden gewürdigt. Von Aristoteles (Psyche war übrigens das altgriechische Wort für Schmetterling) über Maria Sybilla Merian (von der hier schon mal was zu lesen war) und Darwin, spannt sich der Bogen bis hin zu einem der größten Amateur-Schmetterlingsforscher  namens Vladimir Nabokov.

Kann ein Schmetterling denken und fühlen? Kann er Träumen, und wenn ja, was? Empfindet er Schmerzen? All diese Fragen, deren letztendliche Klärung wohl noch aussteht, werden kurz aber  erhellend behandelt.
Neben etlichen, im Buch verstreuten Zeichnungen, werden auch noch 21 ausgewählte Schmetterlingsarten ausführlicher mit Text und Zeichnung porträtiert.

Eine kleine Dreingabe:

Diese schnelle, aber wie ich finde wunderbare, Skizze stammt von Albert Bierstadt (1830 – 1902). Eigentlich ein romantisierender Landschaftsmaler im Amerika des 19. Jahrhunderts. Im Alter sehr vereinsamt und bankrott, schuf er mehrere dieser zauberhaften kleinen Werke.

Quelle: http://www.zeno.org/nid/20003890791 gemeinfrei

Quelle:  http://www.zeno.org/nid/20003890791   gemeinfrei

Und wer mehr über Nabokov, seine literarischen Werke und seine Liebe zu Schmetterlingen erfahren will, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen: Lila Azam Zanganeh, Der Zauberer – Nabokov und das Glück, Büchergilde Gutenberg 2015.

Und noch eine kleine Anmerkung: ich hab mir alle diese Bücher selbst gekauft, und bekomme auch nichts für deren Erwähnung.