Manila

Als ein altes Tau durch derbe,
Doch verständniswarme Hände glitt,
Sagte eine Stimme: „Bob, ich sterbe,
Ehe Land in Sicht. Und du stirbst mit.“

Noch bevor die Stimme Antwort kriegte,
Kämpften sie: Vollschiff gegen Orkan.
Hatten oft gekämpft, bis eines siegte.
Und das andre war dann abgetan.

Nur ein Treibstück wurde aufgefunden.
Daran hingen kalt, ersoffen, blau
Zwei alte Matrosen, angebunden
Mit einem alten Tau.

Joachim Ringelnatz
1883 – 1934

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans


Der Titel (der ja von Ringelnatz stammt) hat nur mittelbar mit der Hauptstadt der Philippinen zu tun. Vielmehr bezieht er sich auf Manilahanf, welches wiederum nichts mit Cannabis zu tun hat. Es handelt sich hier um die Bastfasern einer Bananenpflanze (Musa textilis). Aus diesen wurden – und werden noch immer – u.a. Seile und Taue gereept. Die Faser ist leicht, hat eine hohe Reißfestigkeit und eine hohe Salzwassertoleranz. Also ideal für die Seefahrt. Heute wird es natürlich oft durch Kunstfasertaue ersetzt. Und Manila war und ist der Hauptausfuhrhafen für das Zeug. Daher der Name.

Werbeanzeigen