Wasserlilien

Wir steigen auf aus feuchten Tiefen,
Da träumten wir so langen Traum
Umspült von linder Wellen Schaum,
Als uns des Lenzes Stimmen riefen.

Und manch‘ ein sinniges Gemüth
Ersieht in uns die schöne Kunde
Von dem, was unten Schönes blüht,
Wo’s Fischlein spielt auf Meeresgrunde. –

Wie ist’s hier oben all so bunt –
Doch unser Haus ist stiller, milder.
Lebt wohl, ihr Tages reiche Bilder,
Wir sinken wieder in den Grund.

Luise Hensel

Auf Zuckermanns Seiten bin ich belehrt worden, dass die Seerose auf dem Bild keine Wasserlilie ist, auch wenn der Volksmund (und ich) sie oft so nennt. Mir ist das egal. Ich mag beide Namen.

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Seerosenblätter

Es schwimmen die Seerosenblätter im Teich
Wie kleine Inseln und wie flache Kähne.
Es heben sich Geisterrosen aus dem Wasserreich
Über den Wasserrahmen geräuschlos und bleich,
Und um ihre Bilder gleiten die Schwäne.

Als riefe einer sie schlafwandelnd stumm herauf,
Als öffnet sich der Sehnsucht selbst die Wassertiefe,
Biegen sich über die großen Blätter, die regungslosen,
Weitaufgeschlagen in Tagen und Nächten, die Rätselrosen.

Max Dauthendey
1867 – 1918

Photo © e.a.brokans

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