Einem stinkt es, dem anderem nicht…

Hyazinthen

Vor mir auf dem Tisch stehn
Bläulichrote Hyazinthen.
Die krausen Sechsblättchen sind zurückgebogen.
Eine Geruchwelle wie von Leichen nach einer Schlacht,
Wie von Pestfeldern,
Kommt zu mir von den Blumen hergezogen
Wie von dumpfen, trüben Trieben.
Gräßlich

& so weiter & so fort…
(Das gesamte Gedicht ist hier bei Zeno.org zu finden)

Detlev von Liliencron

Photo © e.a.brokans

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Als Teilnehmer der Kriege von 1866 und 1870/71 möchte ich es Herrn v. Liliencron natürlich nicht absprechen, zu wissen wie Leichen riechen. Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich manchmal sehr froh gewesen wäre, wenn Leichengeruch eine Ähnlichkeit mit den – zugegebenermaßen sehr intensiven – Geruch von Hyazinthen gehabt hätte.
Da ist mir die Beschreibung als Schlummerduft schon verständlicher und auch näher.

Hyazinthen

Fern hallt Musik; doch hier ist stille Nacht,
Mit Schlummerduft anhauchen mich die Pflanzen.
Ich habe immer, immer dein gedacht;
Ich möchte schlafen, aber du mußt tanzen.

Es hört nicht auf, es rast ohn Unterlaß;
Die Kerzen brennen und die Geigen schreien,
Es teilen und es schließen sich die Reihen,
Und alle glühen; aber du bist blaß.

Und du mußt tanzen; fremde Arme schmiegen
Sich an dein Herz; o leide nicht Gewalt!
Ich seh dein weißes Kleid vorüberfliegen
Und deine leichte, zärtliche Gestalt. – –

Und süßer strömend quillt der Duft der Nacht
Und träumerischer aus dem Kelch der Pflanzen.
Ich habe immer, immer dein gedacht;
Ich möchte schlafen, aber du mußt tanzen.

Theodor Storm

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Lied des Harfenmädchens

Heute, nur heute
Bin ich so schön;
Morgen, ach morgen
Muß alles vergehn!

Nur diese Stunde
Bist du noch mein;
Sterben, ach sterben
Soll ich allein.

Theodor Storm

Photo © e.a.brokans

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Mehr zu Theodor Storm und v.a. zu diesem Gedicht finden Sie in dieser liebevollen Besprechung von Marcel Reich-Ranicki.

(Übrigens, im Bild hält sich ein Biber auf, aber leider taucht er gerade 😉  )