Ein paar Worte von Herrn Ball und mir.

Totentanz 1916

So sterben wir, so sterben wir,
Wir sterben alle Tage,
Weil es so gemütlich sich sterben läßt.
Morgens noch in Schlaf und Traum
Mittags schon dahin.
Abends schon zu unterst im Grabe drin.

Die Schlacht ist unser Freudenhaus.
Von Blut ist unsere Sonne.
Tod ist unser Zeichen und Losungswort.
Kind und Weib verlassen wir –
Was gehen sie uns an?
Wenn man sich auf uns nur
Verlassen kann.

So morden wir, so morden wir.
Wir morden alle Tage
Unsre Kameraden im Totentanz.
Bruder reck dich auf vor mir,
Bruder, deine Brust!
Bruder, der du fallen und sterben mußt.

Wir murren nicht, wir knurren nicht.
Wir schweigen alle Tage,
Bis sich vom Gelenke das Hüftbein dreht.
Hart ist unsere Lagerstatt
Trocken unser Brot.
Blutig und besudelt der liebe Gott.

Hugo Ball

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Warum poste ich diese Gedicht jetzt?

Hugo Ball schriebe es Anfang 1916, die ganz großen Blutmühlen (Verdun, Somme) begannen erst ihr vernichtendes Tagwerk. Aber es zeigt mir dass die Menschheit nichts gelernt hat und nichts lernen wird. Fanatiker und Kriegstreiber gewinnen wieder die Oberhand. Die Waffenindustrie reibt sich die gierigen Pranken. Und über allem steht: Hauptsache die Wirtschaft brummt. Wohin das wohl wieder führen mag?

Sie spüren eine leicht Verbitterung? Zurecht, denn ich weiß was die Worte und Kürzel „Triage“ und „MANV“ bedeuten, Ich weiß was die Einsatzkräfte erleben und verarbeiten müssen. Ich war Teil dieses Apparates.

Ja, meine Beitrage werden etwas persönlicher. Es war damals auch ein Grund für mich, diesen Blog zu starten. Damit wollte ich mir einiges aus der familiärer – und natürlich auch aus meiner Vergangenheit – von der Seele schreiben. Aber Blümchen und Bienchen und Bäumchen und ein passendes Gedichtchen dazu sind doch auch was schönes.

Also bitte wundern Sie sich nicht, wenn der Blog eine etwas andere Richtung einschlägt. Oder eben auch nicht.
Aber B&B&B wird es weiter hin geben, natürlich auch Photos und Gedichte. Dafür mag ich mittlerweile die Lyrik zu gerne. Erstaunlicherweise erst seit ca. 2 Jahren. Vorher kannte ich nur die „Brück am Kwai“ von Herrn Vontanne (für diesen Titel musste ich für den Rest der Stunde in die Ecke – das war’s dann mit der Liebe zur Lyrik).

Also bleiben Sie mir gewogen, es wird eventuell interessant.

Näheres zu Hugo Ball hier , seine Werke auch bei Zeno.org .

Totholz (2)

Doch welche Geschichte sich hinter den umgestürzten Bäumen auch verbergen mag, sie haben nun den nächsten Abschnitt ihrer ökologischen Reise durch den Wald angetreten. Pilze, Salamander und Zigtausend wirbellose Arten gedeihen in und unter verrottenden Stämmen. Mindestens die Hälfte ihres Beitrags zum Leben leisten die Bäume nach dem Tod, und darum ist ein Maß für die Vitalität eines Waldökosystems die Baumleichendichte.

Dieses Zitat stammt aus dem dem wundervollen und sehr interessanten Buch von David G. Haskell  „Das verborgene Leben des Waldes – Ein Jahr Naturbeobachtungen“. Hier der Link zum Verlag.

Eine ausführlichere Besprechung des sehr empfehlenswerten Buches ist auf dem Blog „Elementares Lesen“ zu finden

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Totholz (1)

Totholz, in der Fachterminologie der Forstwirtschaft die Bezeichnung für abgestorbene, umgestürzte Bäume, oder Teile davon – totes Kapital eben und dadurch schlecht für die Rendite.

Nicht so für das natürliche Ökosystem des Waldes. Totholz ist eine Grundvoraussetzung für die Artenvielfalt in Flora und Fauna, ist es doch Kinderstube und Lebensgrundlage für unzählige Pilze, Pflanzen, Insekten, Vögel und sonstigem Getier. So ist die Bezeichnung „Biotopbaum“ wesentlich treffender, wobei dieser Begriff natürlich auch noch andere Habitatbäume umfasst.

Und manchmal dient es auch als Inspiration für streunende Gelegenheitsknipser.

Photo @ e.a.brokans

Photo @ e.a.brokans

Übrigens: Wer mehr zu Biotopbäumen und Totholz erfahren möchte, wird u.a. hier fündig:
LWF / Totholz (pdf).

Ach ja…ein passendes Gedicht dürfen Sie sich heute mal selbst dazu suchen.