Etwas Naturkunde mit Herrn Busch

Duldsam

Des morgens früh, sobald ich mir
Mein Pfeifchen angezündet,
Geh ich hinaus zur Hintertür,
Die in den Garten mündet.

Besonders gern betracht ich dann
Die Rosen, die so niedlich;
Die Blattlaus sitzt und saugt daran
So grün, so still, so friedlich.

Und doch wird sie, so still sie ist,
Der Grausamkeit zur Beute;
Der Schwebefliegen Larve frißt
Sie auf bis auf die Häute.

Schluppwespchen flink und klimperklein,
So sehr die Laus sich sträube,
Sie legen doch ihr Ei hinein
Noch bei lebend’gem Leibe.

Sie aber sorgt nicht nur mit Fleiß
Durch Eier für Vermehrung;
Sie kriegt auch Junge hundertweis
Als weitere Bescherung.

Sie nährt sich an dem jungen Schaft
Der Rosen, eh sie welken;
Ameisen kommen, ihr den Saft
Sanft streichelnd abzumelken.

So seh ich in Betriebsamkeit
Das hübsche Ungeziefer
Und rauche während dieser Zeit
Mein Pfeifchen tief und tiefer.

Daß keine Rose ohne Dorn,
Bringt mich nicht aus dem Häuschen.
Auch sag ich ohne jeden Zorn:
Kein Röslein ohne Läuschen!

Wilhelm Busch

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Ja, ich weiß, die Blüte auf dem Photo ist keine Rose, sondern nur eine Akelei. Mein einziger Rosenstrauch ist noch nicht so weit. Aber dafür sind die Blattläuse auf dem Stengel genau so, wie Herr Busch sie uns beschreibt. Nämlich grün, still und friedlich. Darüber hinaus sind sie natürlich auch Nahrung und Nahrungslieferanten für so manche Gartenbewohner. Nur den Marienkäfer hat er vergessen, aber der liegt ja im ständigen Clinch mit den Ameisen. Diese lieben den zuckersüßen Honigtau der Läuse und wollen die ganze Population gerne am Leben erhalten, während der Marienkäfer nur ans Fressen derselben denkt.

Mir ist es egal, ich zünde mir zwar kein Pfeifchen mehr an, sondern beobachte nur still. Irgendwelche Chemie kommt mir nicht an die Pflanzen, dass sollen diese mit ihren gewollten oder ungewollten Gästen gefälligst selbst ausmachen.

Ich hoffe zudem, ich habe Euch mit den „Grausamkeiten“ der Natur nicht die Laune verdorben. Früher habe ich mich auch davor geekelt, aber je mehr ich darüber weiß, desto interessanter und faszinierender wird das Ganze.

Außerdem: wirklich grausam ist ja eh nur der Mensch.

Der Wetterhahn

Wie hat sich sonst so schön der Hahn
Auf unserm Turm gedreht
Und damit jedem kundgetan,
Woher der Wind geweht.
 
Doch seit dem letzten Sturme hat
Er keinen rechten Lauf;
Er hängt so schief, er ist so matt,
Und keiner schaut mehr drauf.
 
Jetzt leckt man an den Finger halt
Und hält ihn hoch geschwind.
Die Seite, wo der Finger kalt,
Von daher weht der Wind.

Wilhelm Busch

Manchinger Maibaum - Photo © e.a.brokans

Manchinger Maibaumgockel – Photo © e.a.brokans

Monatswechsel, es ist wieder mal Zeit für etwas rotes…

Juni

Der Juni kam. Lind weht die Luft
Geschoren ist der Rasen
Ein wonnevoller Rosenduft
Dringt tief in alle Nasen.

Wilhelm Busch
1832 – 1908
(alles gibt es beim Discounter, sogar Sprüche…)

Photo © e.a.brokans 2015

Photo © e.a.brokans 2015

Und als Dreingäbe, ein kleiner Gruß für:

Hilde

Riesengroße Rosengrüße
sandte ich zum Wiegenfeste
ihr, der einzig Heißgeliebten,
einen Brief dabei erhielt sie,
darin stand: ich liebe Dich,
Hilde, meine holde Hilde!
Hilf mir, Hilde, und erhöre
meine Schwüre, die ich schwöre
Dir, die ich so heiß Dich liebe.
Andern Tages lag die holde
Hilde huldvoll mir im Arme,
und wir kosteten mit Rosen
Stunden süßen Liebesglückes.
Aber tags danach hielt Hilde,
ach, ein andrer in den Armen,
Schwüre schwörend, schwülbeglückt,
ihr, der ich, der Heißgeliebten,
sandte doch zum Wiegenfeste
riesengroße Rosengrüße.

Erich Mühsam
1878 – 1934 (ermordet von Nazischergen)

Woher, wohin?

Wo sich Ewigkeiten dehnen,
Hören die Gedanken auf,
Nur der Herzen frommes Sehnen
Ahnt, was ohne Zeitenlauf.

Wo wir waren, wo wir bleiben,
Sagt kein kluges Menschenwort;
Doch die Grübelgeister schreiben:
Bist du weg, so bleibe fort.

Laß dich nicht aufs neu gelüsten.
Was geschah, es wird geschehn.
Ewig an des Lebens Küsten
Wirst du scheiternd untergehn.

Wilhelm Busch
1832 – 1908

Photo © e.a.brokans 2015.04

Photo © e.a.brokans 2015.04

ein tummeln und b(r)ummeln…

Im Garten beim Spatzierengehn
Da sieht man Schneeglöckchen und Krokus stehn,
Woran sich fleißige Bienen tummeln
Und große brummelnde Hummeln bummeln.
– Doch unser Blumen= und Nektartrank
Steht oben im alten Aktenschrank!

Wilhelm Busch
Briefe an Wilhelm Everding

(Nein, ich habe mich nicht vertippt. Der Meister hat es so gewollt – oder er war doch etwas zu oft am Aktenschrank 🙂 )

© mannigfaltiges

© mannigfaltiges 2015.03