Die Liebesrose

Wenn der Liebesrose Dornen, 
Armer, dich erstochen haben, 
Dann vergeudet sie die Blätter, 
dich in ihnen zu begraben.

 Johann Ludwig Wilhelm Müller,  1794 – 1827

 

Photo © e.a.brokans

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In diesem Sinne: Ein schönes Wochenende

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Da kriegst du die Motten…

Die Motte

Wie eine Motte flattert um die Flamme,
So schwebt auf leisen Schwingen meine Stimme
Um das erhellte Fenster deiner Kammer.

Wird sie die Schwingen sich am Licht verbrennen?
Ich wag‘ es drauf! Das Wagen hilft gewinnen.
Ich wag‘ ein Ständchen unter deinem Fenster!

Und wenn du schmählst und rufst wohl gar die Mutter,
So reiß‘ ich alle Saiten von der Zither,
Und beiß‘ ein Stückchen ab von meiner Zunge.

Wilhelm Müller

Photo © e.a.brokans

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Die meisten denken bei dem Wort Motte natürlich sofort an ihren Kleiderschrank oder an schlecht verschlossene Müslibüchsen mit unliebsamen Naschgästen. Aber der kleine Falter mit dem schicken Outfit ist eine Langhornmotte. Diese Schmetterlingsart lebt bevorzugt im Wald, ist nicht nachtaktiv, sondern hocherfreut über Sonnenschein. Wenn die warmen Strahlen dann bis ins Unterholz vordringen, tanzen sie zu hunderten im Licht um die holde Weiblichkeit zu beeindrucken.

Übrigens war der Herr Wilhelm Müller (1794 – 1827), der uns hier mit seinem Gedicht die uralte Tradition des Fensterlns beschreibt, auch der Schöpfer der Zyklen „Die schöne Müllerin“ und „Die Winterreise“, welche dann von Franz Schubert kongenial vertont wurden.