Fällt er in den Graben…

…fressen ihn die Raben.

Bildschirmfoto 2017-12-16 um 09.25.19

Foto © E.A.Brokans

Leider hat Herr Ambros in seinem wunderbaren Lied die Zentralfriedhofsraben (oder sind es Krähen – na egal) nicht erwähnt. Das sei somit nachgeholt.

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Reif

Auf schwarzen Auen
Kalte grünblanke Mondrosen.
Scharf kristallene Sternblüten,
Und senken weißen klingenden Samen
In die weißen singenden Winde.

Streng keimen marmorkühle Myrthen,
Edelweiß aus wehem klagenden Alabaster,
Singen mit den weißen Winden:

: Eine eisblasse Mondwelle schläft
Bei den mattgrauen Wellen der Sonne …

Max Dauthendey

Foto © e.a.brokans

Der Winter

Der blaue Schnee liegt auf dem ebenen Land,
Das Winter dehnt. Und die Wegweiser zeigen
Einander mit der ausgestreckten Hand
Der Horizonte violettes Schweigen.

Hier treffen sich auf ihrem Weg ins Leere
Vier Straßen an. Die niedren Bäume stehen
Wie Bettler kahl. Das Rot der Vogelbeere
Glänzt wie ihr Auge trübe. Die Chausseen

Verweilen kurz und sprechen aus den Ästen
Dann ziehn sie weiter in die Einsamkeit
Gen Nord und Süden und Ost und Westen,
Wo bleicht der niedere Tag der Winterszeit.

Ein hoher Korb mit rissigem Geflecht
Blieb von der Ernte noch im Ackerfeld.
Weißbärtig, ein Soldat, der nach Gefecht
Und heißem Tag der Toten Wache hält.

Der Schnee wird bleicher, und der Tag vergeht.
Der Sonne Atem dampft am Firmament,
Davon das Eis, das in den Lachen steht,
Hinab die Straße rot wie Feuer brennt.

Georg Heym

Photo © e.a.brokans

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Georg Heym, (1850 – 1912), war neben Georg Trakl und Ernst Stadler  – beide wurden bereits 1914 Opfer des Krieges – einer der bedeutendsten Lyriker des Frühexpressionismus. Er schrieb vor allem apokalyptische, prophetische Gedichte über Krieg und Untergang.

Diese Visionen sollten sich leider auch für ihn persönlich erfüllen. Beim Schlittschuhlaufen auf der Havel brach sein Freund Ernst Balcke ins Eis ein, Heym versuchte noch ihn zu retten. Aber leider gingen beide unter und ertranken . Und 2 Jahre nach seinem Tod brach der 1. Weltkrieg aus.

Georg Heym war keine Pazifist, er haßte schon die Ausbildung zum Juristen, lieber meldete er sich freiwillig zum Militär. Er wollte die Offizierslaufbahn einschlagen. Die Meldung wurde akzeptiert, die Bewilligung traf aber erst nach seinem Tode ein.

Wobei die Texte von Heym und andere Expressionisten nicht unbedingt dem Militarismus preußisch-deutscher Prägung huldigten, sondern:

Ihre Beschwörung des Krieges hatte weniger mit Militanz als mit Anarchie zu tun. Dass ihre Zeitschriften Sturm und Aktion hießen, ist gewiss keine Zufall. In Ihren Texten trafen sich kosmische Ekstase, Normalitätsüberdruss und Saturiertheitsekel.

So zumindest Ernst Piper in seinem vorzüglichen Buch „Nacht über Europa“.

1911 schrieb Heym sein wohl bekanntestes Gedicht „Der Krieg“, zu finden u.a. beim Projekt Gutenberg.

Eine kleine, aber wichtige Ergänzung: Falls ihr des öfteren auf gefrorenen Gewässern unterwegs seid, würde es natürlich nicht schaden, sich für eventuelle Eventualitäten vorzubereiten. Man kann ja nie wissen. Hier ein pdf des DRK mit nützlichen und bewährten Tipps.

Intermezzo am Mittwoch

Winterabend

Wie muß der Tag sich neigen
Im Winter, ach, so bald;
Ein tiefes, mildes Schweigen
Liegt über Flur und Wald.

Am Himmel noch ein Schimmern,
Ein letztes, doch kein Stern;
Trübrothe Lichter flimmern
Aus Hütten still und fern.

Und trüb und immer trüber
Der Landschaft weiter Kreis;
Es zieht der Bach vorüber
Eintönig unter’m Eis.

Horch – welch ein leises Beben
Urplötzlich in der Luft?
Geheimnißvolles Weben,
Geheimnißvoller Duft!

Wie ferne, ferne Glocken
Erklingt’s – so wohl – so weh‘ –:
Da fällt in dichten Flocken
Zur Erde sanft der Schnee.

Ferdinand von Saar

Photo @ e.a.brokans

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Ferdinand von Saar, *1833, +1906, österr. Dichter; melancholisch-empfindsame Erzählungen, schwermütige Gedichte; „Novellen aus Österreich“ u.a. [Duden 1962]

Ja, ich weiß, es ist warm und es hat keinen Schnee, zumindest nicht in meiner näheren Umgebung. Aber manchmal muss man sich die Realität eben ein bisschen zurechtbiegen. Dann fällt vielleicht auch die für heute anberaumte Pflichtweihnachtsfeier etwas angenehmer aus.
In diesem Sinne – gehabt Euch wohl!