Wintersonne II

Sorry, dazu gibt es keinen Text.
Das Photo musste einfach unter die Leute, bevor es wieder wärmer wird.

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Advertisements

Der Winter

Der blaue Schnee liegt auf dem ebenen Land,
Das Winter dehnt. Und die Wegweiser zeigen
Einander mit der ausgestreckten Hand
Der Horizonte violettes Schweigen.

Hier treffen sich auf ihrem Weg ins Leere
Vier Straßen an. Die niedren Bäume stehen
Wie Bettler kahl. Das Rot der Vogelbeere
Glänzt wie ihr Auge trübe. Die Chausseen

Verweilen kurz und sprechen aus den Ästen
Dann ziehn sie weiter in die Einsamkeit
Gen Nord und Süden und Ost und Westen,
Wo bleicht der niedere Tag der Winterszeit.

Ein hoher Korb mit rissigem Geflecht
Blieb von der Ernte noch im Ackerfeld.
Weißbärtig, ein Soldat, der nach Gefecht
Und heißem Tag der Toten Wache hält.

Der Schnee wird bleicher, und der Tag vergeht.
Der Sonne Atem dampft am Firmament,
Davon das Eis, das in den Lachen steht,
Hinab die Straße rot wie Feuer brennt.

Georg Heym

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Georg Heym, (1850 – 1912), war neben Georg Trakl und Ernst Stadler  – beide wurden bereits 1914 Opfer des Krieges – einer der bedeutendsten Lyriker des Frühexpressionismus. Er schrieb vor allem apokalyptische, prophetische Gedichte über Krieg und Untergang.

Diese Visionen sollten sich leider auch für ihn persönlich erfüllen. Beim Schlittschuhlaufen auf der Havel brach sein Freund Ernst Balcke ins Eis ein, Heym versuchte noch ihn zu retten. Aber leider gingen beide unter und ertranken . Und 2 Jahre nach seinem Tod brach der 1. Weltkrieg aus.

Georg Heym war keine Pazifist, er haßte schon die Ausbildung zum Juristen, lieber meldete er sich freiwillig zum Militär. Er wollte die Offizierslaufbahn einschlagen. Die Meldung wurde akzeptiert, die Bewilligung traf aber erst nach seinem Tode ein.

Wobei die Texte von Heym und andere Expressionisten nicht unbedingt dem Militarismus preußisch-deutscher Prägung huldigten, sondern:

Ihre Beschwörung des Krieges hatte weniger mit Militanz als mit Anarchie zu tun. Dass ihre Zeitschriften Sturm und Aktion hießen, ist gewiss keine Zufall. In Ihren Texten trafen sich kosmische Ekstase, Normalitätsüberdruss und Saturiertheitsekel.

So zumindest Ernst Piper in seinem vorzüglichen Buch „Nacht über Europa“.

1911 schrieb Heym sein wohl bekanntestes Gedicht „Der Krieg“, zu finden u.a. beim Projekt Gutenberg.

Eine kleine, aber wichtige Ergänzung: Falls ihr des öfteren auf gefrorenen Gewässern unterwegs seid, würde es natürlich nicht schaden, sich für eventuelle Eventualitäten vorzubereiten. Man kann ja nie wissen. Hier ein pdf des DRK mit nützlichen und bewährten Tipps.

Intermezzo am Mittwoch

Winterabend

Wie muß der Tag sich neigen
Im Winter, ach, so bald;
Ein tiefes, mildes Schweigen
Liegt über Flur und Wald.

Am Himmel noch ein Schimmern,
Ein letztes, doch kein Stern;
Trübrothe Lichter flimmern
Aus Hütten still und fern.

Und trüb und immer trüber
Der Landschaft weiter Kreis;
Es zieht der Bach vorüber
Eintönig unter’m Eis.

Horch – welch ein leises Beben
Urplötzlich in der Luft?
Geheimnißvolles Weben,
Geheimnißvoller Duft!

Wie ferne, ferne Glocken
Erklingt’s – so wohl – so weh‘ –:
Da fällt in dichten Flocken
Zur Erde sanft der Schnee.

Ferdinand von Saar

Photo @ e.a.brokans

Photo @ e.a.brokans

Ferdinand von Saar, *1833, +1906, österr. Dichter; melancholisch-empfindsame Erzählungen, schwermütige Gedichte; „Novellen aus Österreich“ u.a. [Duden 1962]

Ja, ich weiß, es ist warm und es hat keinen Schnee, zumindest nicht in meiner näheren Umgebung. Aber manchmal muss man sich die Realität eben ein bisschen zurechtbiegen. Dann fällt vielleicht auch die für heute anberaumte Pflichtweihnachtsfeier etwas angenehmer aus.
In diesem Sinne – gehabt Euch wohl!

Der erste Schnee

Der weisse Schnee beflügelt mein Gehirn.
Die Tannen auch erscheinen schön besternt.
So seien nun die Sonnen und die dürrn
Oktoberzweige aus dem Blick entfernt.

Wenn dieses Glück uns auch nicht wärmer macht,
Und wenn vielleicht der Nebel trunken trieft,
Wir haben – selig! – eine weisse Nacht.
O denkt, wie lang ihr nicht im Hellen schlieft …

Klabund
(Alfred Henschke)

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Nein, ich mag den Winter nicht, aber ich mag das Bild. Es ist voller Symbolik.
Der Graben, natürlich von Menschen gemacht um das Moos zu entwässern. Wie so mancher Lebensentwurf, schnurgerade auf ein Ziel hin geplant. Früher war mehr Wasser, heute ist er die meiste Zeit vertrocknet.

Dann der Baum. Er steht alleine, er kann das, er hat starke Wurzeln, weit verästelt. Auf die kann er bauen, auch wenn sie nicht mehr sichtbar sind. Allerdings wußte er nicht so recht, was er mit seinen Genen anfangen soll, welches sein starker Stamm war. Also bildete er zwei aus, gleichberechtigt nebeneinander, fest auf dem Boden stehend. Sie bilden das Zeichen für „Victory“. Aber er hat nicht immer gewonnen.

Er hält sich fern von den Massen, egal ob sie nun auf der einen oder anderen Seite stehen. Aber er ist nicht scheu, er erhält oft Besuch von anderen Kreaturen. Mit denen unterhält er sich gerne, den er ist sehr neugierig. Er will wissen was in der Welt vor sich geht und – vor allem – was die Welt im innersten zusammenhält. Und darüber macht er sich dann seine eigenen Gedanken.

Nur für eines taugt die Symbolik des Bildes nicht: Im echten Leben steht ein zweiter Baum daneben.

[Postscriptum zum letzten Satz (weil meine Bildersprache doch etwas verquast ist): Ich will damit sagen, dass in meinem echtem Leben durchaus jemand neben mir steht. Der Baum steht aber auch in Natura alleine -nix Photoshop oder so..]

Kälte – aber nicht mehr lange.

Kälte

Kälte, eis’ge Kälte
Wärme nur belebt!
Auf so manchem Antlitz
Ganzes Eismeer schwebt. –

Friedrike Kempner
(1828 – 1904)

© mannigfaltiges 2015.02

© mannigfaltiges 2015.02

…aber ganz so schlimm ist es nicht mehr. Es besteht durchaus Hoffnung. Die ersten Frühlingsboten genießen bereits die, leider nur ein gelegentliches Gastspiel gebenden, Sonnenstrahlen.

© mannigfaltiges 2015.02

© mannigfaltiges 2015.02

Oder wie Emanuel Geibel (1815 – 1884) trotzig meinte:

 Hoffnung

Und dräut der Winter noch so sehr
Mit trotzigen Gebärden,
Und streut er Eis und Schnee umher,
Es muß doch Frühling werden.

Und drängen die Nebel noch so dicht
Sich vor den Blick der Sonne,
Sie wecket doch mit ihrem Licht
Einmal die Welt zur Wonne.

….